Männer, Landesliga
Hochklassige Gäste in der Waldhessenhalle
Die Hünen vom Balaton: Ungarische Profis machen beim 49:21-Sieg in Hersfeld ein bisschen ernst.
Von Sascha Herrmann
Kai Hüter hatte seinen Humor nicht verloren. "Ich habe mich mal ein bisschen umgehört", sagte der Torhüter des Handball-Oberligisten TV Hersfeld und nahm sich ein Bierchen. "Einige von den Ungarn spielen wohl schon seit der Jugend Handball." Im ViP-Raum der Waldhessenhalle hatte Hüter am Mittwochabend natürlich die Lacher auf seiner Seite.
21:49 (10:25) - so lautet das Resultat eines ungleichen Duells, das kurz zuvor am Obersberg stattgefunden hatte. Eine Auswahl, die überwiegend aus Spielern des TV Hersfeld und der HSG Eitra/Oberhaun bestand, hatte versucht, sich so teuer wie möglich gegen den ungarischen Top-Klub KC Veszprém zu verkaufen. Und sie machten das gar nicht so schlecht, auch wenn Hersfelds Interimstrainer Antanas Taraskevicius hinterher grantelte: "Wir haben das nicht so gut gemacht. Viel zu viele Fehler und viel zu langsamer Spielaufbau im Rückraum."
Veszprém also, der Champions-League-Dauergast. 17-maliger ungarischer Meister, 18- facher Pokalsieger, zweimaliger Europacup-Sieger der Pokalsieger. Eine Truppe, gespickt mit Nationalspielern. Mit Stars wie den Torhütern Nandor Fazekas und Dejan Peric, Mittelmann Nikola Eklemovic, dem kubanischen Alti-Internationalen Carlos Perez, Linksaußen Gergo Ivanscik - wo anfangen und wo aufhören?
Veszprém im Trainingslager
Die Ungarn, die sich für zehn Tage im Trainingslager in Deutschland befinden und im Prinz von Hessen in Friedewald abgestiegen waren, reisten übrigens mit der Empfehlung eines Testspiel-Sieges über den THW Kiel an. Noch Fragen? Tomas Pankiewicz, Torhüter des TVH, beschrieb es hinterher so: "Die gehören zu den Top 5 der Welt. Das ist, als wenn du Arsenal London gegen Asbach Fußballspielen lässt."
Auf eine sportliche Analyse wollen wir deshalb in diesem Artikel verzichten. Zu groß waren natürlich die Unterschiede zwischen Profis und Amateuren. Als Event taugte die Partie, die bei schönstem Sommerwetter nicht einmal 300 zahlende Zuschauer sehen wollten, allemal. Einen Spielmacher wie Nikola Eklemovic, oder die bärenstarken Außen Gergo und Tamas Ivanscik und David Korazija hat die Waldhessenhalle eine gefühlte Ewigkeit nicht gesehen.
Gute Ansätze zeigten aber auch die Feierabend-Handballer. Eitra/Oberhauns Torhüter Stefan Fohr entschärfte ein paar Bälle und kassierte mit 14 Gegentreffern in 20 Minuten die wenigsten Treffer des Torhüter-Trios. Jörg Ley machte auf der Rückraum Mitte eine gute Figur und überzeugte in der ersten Halbzeit mit feinen Kreisanspielen und als (einziger) Rückraumschütze.
Frecher Jan-Uwe Berz
Der blutjunge Rechtsaußen Jan-Uwe Berz lieferte sich in der Schlussphase ein Tempo-Gegenstoß-Duell mit Torhüter Fazekas. Und auch die Eitraer Matze Kienast und Andreas Krause hatten einige gute Szenen. Nicht zu vergessen Daniel Holl, der auf Linksaußen immer wieder sein Potenzial aufblitzen ließ und sichtlich eine Menge Spaß am Spiel hatte. "Es ist großartig, gegen solche Leute zu spielen. Ganz egal, wie hoch man verliert. Wir wollten uns gut verkaufen und Spaß haben", meinte der 27-Jährige. Hat geklappt.
TVH & friends: Hüter, Pankiewicz, Stradal 3, Houston 3, Holl 3, Kemmerzell, Ley 3/1, Berz 2, Wild 1, Matthiesen (alle TV Hersfeld), Rüger 1, Kienast, Krause 2, Weiss 1, Fohr (alle Eitra/Oberhaun), Pabst (Rotenburg), Höppner (Bebra), Toth 2 (Vulkan Vogelsberg),
Beste Werfer für Veszprém: Korazija 8, G.Ivanscik 6, Vujin 6, T.Ivanscik 5, Mirkovic 4, Perez 4, Lushnikov 3
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